Rinderkrankheiten genauer betrachtet:

Auf dem BpT Kongress wurden wieder viele Themen diskutiert und aufgearbeitet. Interessanterweise ging es in vielen Bereichen einmal mehr um die Prophylaxe und die Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes.

In diesem Zusammenhang wurde auch die Behandlung der puerperalen und akuten Metritis - also der Gebärmutterentzündung beim Rind - auf den neusten Stand gebracht.

 

Wir haben hier die Beiträge von Prof. Dr. Holm Zerbe der Klinik für Wiederkäuer in München und von Prof. Dr. Heuwieser der Tierklinik für Fortpflanzung in Berlin zusammengefasst und ergänzt:

 

Bisher wurde die puerperale Metritis und das Nachgeburtsverhalten nach althergebrachtem Schema behandelt:

 

Abnahmeversuch der Nachgeburt und dann lokale Anwendung der Gebärmutter mit Antibiotikastäben.

 

Diese Behandlung ist mittlerweile obsolet und es sind neue Therapieansätze entwickelt worden, die eine deutlichere Heilung hervorbringen bzw. eine Erkrankung im Vorfeld bereits verhindert.

 

Kurz zur Definition der Gebärmutterentzündung. Sie wird in zwei Arten unterteilt. Einmal haben wir es mit der akuten puerperalen (toxischen) Metritis zu tun, zum anderen haben wir die akute klinische Metritis.

Die akute puerperale Metritis ist gekennzeichnet durch eine bakterielle Infektion der Gebärmutter innerhalb der ersten 21 Tage nach Kalbung. Weitere Merkmale:

  • übelriechender, rötlich-bräunlicher Ausfluß
  • Fieber (> 39,5°)
  • Allgemeinerkrankung mit Rückgang der Milchleistung, Verringerung der Futteraufnahme, Dehydratation

 

Die akute klinische Metritis zeigt in den ersten 21 Tagen nach Kalbung folgende Symptome:

  • eitriger Ausfluß 
  • unzureichend zurückgebildete Gebärmutter
  • meist kein Fieber und keine systemische Erkrankung

 

Ab dem 21. Tag nach Kalbung sprechen wir übrigens von einer Endometritis.

 

Neben den wirtschaftlichen Verlusten und den Aufwendungen für die Behandlung müssen auch noch die gesundheitlichen Folgen für die Kuh bedacht werden. 

 

Daher gilt es, das Hauptaugenmerk auf die Vermeidung der Metritis zu lenken. Das lässt sich mit folgenden Maßnahmen erreichen:

  • Optimiertes Management der trockenstehenden Tiere
  • Verhindern von Stoffwechselstörungen: Ketosen/Acidosen, Kalziummangel
  • Immunsuppression aufgrund einer ausgeprägten negativen Energiebilanz vermeiden
  • Geburtshygiene und -technik verbessern

 

Neue Behandlungskonzepte müssen also her. Welche Möglichkeiten stehen zur Verfügung?

 

Wie oben bereits erwähnt ist die lokale antibiotische Behandlung obsolet. Problematisch dabei war vor allem, dass die Wirksamkeit der zugelassenen Dosis (2 Stäbe) nicht ausreicht, um die Metritis so zu behandeln, dass auch keine Resistenzgefahr entsteht. Resistenzen entstehen vor allem durch zu geringe Konzentrationen und zu geringer Behandlungsdauer. Die zugelassene Menge brachte keinen Wirkspiegel über einen nötigen Zeitraum von mindestens drei Tagen zustande.

Wurde die Dosis erhöht - wiedersprach das dem Arzneimittelgesetz und das Risiko für Rückstände in der Milch durch zu hohe Mengen bei zugelassener Wartezeit stieg.

 

1. Behandlung der Uteruskontraktilität 

  • Oxytozin - wirkt aber nur innerhalb der ersten 48 Stunden nach Kalbung
  • PGF2a - wirken nicht in der frühen Phase nach Geburt sondern erst nch 2-3 Wochen pp. Ausserdem muß ein  Gelbkörper vorhanden sein, um überhaupt den Wirkeffekt der "Reinigungsspritze" zu erzielen
  • Abhebern des Uterusinhaltes - eine alte aber durchaus wirksame Methode, die sachgerecht durchgeführt vor allem eine schnelle und nachhaltige Besserung bringt

2. Antibiotische Behandlung

Rein systemisch verabreichte Antibiotika reichen dabei aus, sollte aber nur im Zusammenhang mit einer deutlichen systemische Erkrankung eingesetzt werden (Fieber/ gestörtes Allgemeinbefinden). Lokale Antibiose ist nicht nötig.

Es ist vor allem der Einsatz eines bestimmten Antbiotikums empfehlenswert, welches eine lange Wirkung, bei gleichzeitig 0 Tagen Wartezeit bietet. Diese Behandlung sollte nach aktuellen Studien aber nach 3 Tagen wiederholt werden. Ihr Tierarzt berät dabei Sie gern, um welches es sich handelt.

 

Im Vordergrund steht dabei eine einschneidende Änderung im Management: Studien zeigen, dass der prophylaktische Einsatz der Antibiose nichts bringt. Daher muß vor allem die Kuh in der frühen Phase nach Geburt konsequent und engmaschig überwacht werden, also

  • tägliche Temperaturmessung
  • Kontrolle des Ausflusses
  • rektale Untersuchung
  • Beobachten des Allgemeinbefindens.

 

Erst wenn hier Störungen auftauchen, ist die Behandlung mit Medikamenten nötig.

 

3. Entzündungshemmende Behandlung

Ganz wichtiger Punkt - die gleichzeitige entzündungshemmende Behandlung des Tieres.

 

4. Kreislaufstabilisierende Maßnahmen

Bei akut und schwer erkrankten Tieren. 

 

B.Becker 2012